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LVR-LandesMuseum Bonn

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Objekt des Monats Mai 2012

Römischer Becher mit Hochzeitsszene

Xanten-Lüttingen
15/10 v.Chr.
Silber, teilweise vergoldet
Höhe 12,5 cm

Beschreibung

Der Becher in Form eines Kalathos ist ein kostbares Beispiel kaiserlichen Hofsilbers und war sicherlich Teil eines Trinkgefäßsatzes.

Die zieselierten Reliefs zeigen eine junge Frau, die graziös auf einem Stuhl mit hoher Lehne sitzt. Ein Knabe reicht ihr eine Schale mit Blüten oder Früchten. Auf ihm ruht der Blick eines Mannes, der sich auf einen Pfeiler stützt. Von links kommt ein zweiter Knabe mit Salbölflasche und Sonnenschirm, ganz rechts steht eine Frau mit brennender Fackel. Eine zierliche Architektur mit Wollschnüren und Bändern rahmt die beiden Frauen ein.

Diese Figurenkombination weist auf ein Liebespaar hin, die sitzende Frau weist ikonographische Merkmale der Liebesgöttin Aphrodite/Venus, der Mann die des Kriegsgottes Ares/Mars auf. Allerdings werden die Paare Theseus und Ariadne oder Paris und Helena oder der Argonaut Jason und Kreusa ähnlich dargestellt. 

Ein Hochzeitsgeschenk

Die Fackelträgerin kennzeichnet einen Hochzeitszug, die Säule und der Baitylos (ein kolbenförmiges Kultmal) erscheinen gemeinsam nur in den Häusern des Augustus und der Livia auf dem Palatin in Rom – damit könnte das dargestellte Motiv in den Kreis der kaiserlichen Familie verweisen.
Es lässt sich vermuten, dass diese Zusammenhänge auf Tiberius, den späteren Kaiser, verweisen, als er sich um 11 v.Chr. scheiden lassen musste, um aus dynastischen Gründen Julia, die Tochter des Augustus, zu heiraten. Darauf, dass die Frau auf dem Sessel verheiratet ist, weist ihre Haube hin. Bei dieser Deutung wären die beiden Knaben die Söhne Gaius und Lucius Caesar der Julia aus ihrer Ehe mit Agrippa – ein zumindest ungewöhnlicher Umstand, da die ikonographische Darstellung die Söhne des Mannes, nicht der Frau, erwarten ließe.

Folgt man dieser Vorstellung, gelangte der Becher vielleicht bei dieser Hochzeit als Geschenk in den Besitz eines hohen Offiziers aus dem Umkreis des Kaiserhauses, der ihn an den Niederrhein mitbrachte.

Gefunden wurde der kostbare Becher 1958 in einer Kiesgrube.

Zu sehen ist er im 3. OG in der Abteilung Überleben - schöner leben.

Bild eines silbernen Bechers

Römischer Silberbecher aus Xanten-Lüttingen
Foto: St. Taubmann, LVR-LandesMuseum Bonn.


Nicht nur in der Fertigung silberner Gefässe taten sich die Römer hervor. Den beeindruckenden technischen Errungenschaften der alten Römer lässt sich auch aktiv nachspüren in der derzeitigen Sonderausstellung HIGH TECH RÖMER.
die vom 29. März bis 2. September im Museum zu sehen ist.